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Wenn das Schulzimmer von Linthal nach Bilten reicht

Wenn plötzlich verschiedenste Schülerinnen oder Schüler an einer Geschichte basteln, steckt die neue Internet-Plattform «Glarnerschulen Wiki» dahinter.

c von Barbara Tänzler

Man stelle sich vor: Eine Drittklässlerin aus Niederurnen hat in einer Deutschstunde eine zündende Idee für den Anfang einer Geschichte. Sie will diese Gedanken aufschreiben. Doch statt diese in ihr Aufsatzheft zu kritzeln, setzt sie sich an den Computer ihrer Schule, respektive klickt im Internet www.glarnerschulen.ch  an. Dort stösst das Mädchen auf den Link «Wiki» und hat ihr interaktives Schreibheft gefunden. Sie tippt also den Beginn der Geschichte in wenigen Sätzen ein, schreibt ihren Namen darunter, und das wars.

Das heisst: Jetzt fängt es eigentlich erst an. Die Story des Mädchens kann von anderen aus der Klasse ergänzt und weitergesponnen werden. Genau gleich kann sich ein Schüler aus dem Hinterland in «Wiki» einschalten, und die Niederurner Geschichte wird länger und länger und länger. Vieleicht bekommt die Geschichte auch Beine und Arme oder verzweigt sich wie ein Baum.

Da kommt einem Lehrer der fünften Klasse aus Mollis die Idee, dass seine Schülerinnnen und Schüler ihre Rechtschreibkenntnisse testen. Er erteilt ihnen die Aufgabe, die Niederurner Geschichte auf «Wiki» gut zu lesen und nach Schreibfehlern zu korrigieren. Gesagt, getan. Die Geschichte kommt nun fehlerfrei daher.

Oder in der Oberstufe in Schwanden nimmt eine Klasse gerade Fotografie im Internet durch. Sie ergänzen die Fortsetzungsgeschichte mit Bildmaterial usw.

Für alle zugänglich

Der beschriebene Ablauf ist völlig fiktiv, aber absolut möglich. Es könnten aber auch Diskussionforen sein, oder Tipps für eine Prüfungsvorbereitung usw. Vor wenigen Monaten hat der Reallehrer Andres Streiff aus Glarus «Glarnerschulen Wiki» aufgeschaltet und bereits mit seinen Schülern ausprobiert. Der Lehrer hat das Web-System während seines Nachdiplomstudiums an der Pädagogischen Hochschule Zürich im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie kennengelernt.

«Glarnerschulen Wiki» ist eine offene Plattform im Internet und für jeden zugänglich. Jede und jeder kann gestalten, kommentieren und schreiben. Die Absicht Streiffs ist klar: «Wiki» ist eine Möglichkeit, wie Computer besser in den Unterricht intergriert werden können. «Bisher wird das Internet meistens passiv konsumiert. Lehrer schieben Nachtschichten am Computer, um ein neues Lehrprogramm oder eine Schulhomepage zu gestalten, von denen die Schüler einfach profitieren können. «Wiki» sei ein geeignetes Werkzeug, dass sich das ändere und Schüler mehr Eigeninitiative zeigten.

Chaotischer, na und?

Ein Passwort braucht es bei «Wiki» nicht. «Dadurch geht es vielleicht auch etwas chaotischer zu und her», so der der Initiant aus dem Glarnerland. Da drängt sich die Frage nach der Kontrolle auf. Zwar wird klar deklariert, dass zum Beispiel pornografisches oder rassistsiches Geschreibe strengstens verboten ist. Doch wer kontrolliert das? Andres Streiff dazu: Zum einen hätten die Lehrkräfte natürlich eine Kontrollfunktion, letztlich aber auch er als Administrator. Streiff wird es auch sein, der Altes löscht, um neuen Ideen Platz zu machen.

Und so kann man gespannt sein, ob das bisher noch zarte Pflänzchen «Wiki» von den Glarner Schülern gehegt und gepflegt wird, sodass eine blühende Pflanze daraus entsteht.

   

Vernetzt und miteinander: Andres Streiff hat mit «Glarnerschulen Wiki» die Möglichkeit erweitert, den Computer als Lernhilfe zu nutzen. Bilder Barbara Tänzler

 

Glarnerschulen Wiki

 

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